Punkte - Lautbildschriften .:.
Übersicht
Bei einer Punkteschrift bestehen die Schriftzeichen aus Punkten. Beispiel: 
| Auch eine Punkteschrift kann man als Lautbildschrift verwenden, das heißt man bildet durch Aneinanderreihen von Schriftzeichen Ideogramme, die jeden Begriff möglichst gut darstellen sollen. Einfaches Beispiel: (Schreibrichtung senkrecht nach oben) |
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| Es gibt viel mehr Zeichen als Laute: | (Verhältnis n:1) | Silbenschrift | Beispiel |
| Es gibt soviele Zeichen wie Laute: | (Verhältnis 1:1) | Buchstabenschrift | Beispiel 12 |
| Es gibt viel weniger Zeichen als Laute: | (Verhältnis 1:n) | Positionsschrift | Beispiel 7 |
(Siehe den Artikel Arten von Lautbildschriften).
Wir bringen zu jeder Art 1 Beispiel. Bei allen Beispielschriften
sind die Schriftzeichen nur 1 Punktdurchmesser hoch, darum
bestehen die meisten Bildworte aus relativ vielen Zeichen.
Deshalb sind bei allen Beispielschriften (jeweils verschiedene)
akustische Abkürzungsregeln nötig, damit die Worte akustisch
nicht zu lang werden.
Der Gebrauchswert einer Punkteschrift ist ohnehin wegen des
aufwendigen Schreibens und anderer Nachteile eingeschränkt,
s.u. Abschnitt 'Bewertung'. Doch sind Punkteschriften eine
stilistische Bereicherung des Spektrums der Schriften und
Lautbildschriften, und sie wirken am meisten impressionistisch.
Eine Punkteschrift mit wenigen Zeichen könnte (umbenannt)
Teil einer Silben-Lautbildschrift sein.
Vergleich der Beispielschriften
Punkteraster:
- Beispiel Silbenschrift: vollstes Zeichen = 5 Punkte nebeneinander . . . . .
Punkte einiger Zeichen in den 4 Zwischenraumspalten,
insgesamt also 9 Punktspalten
- Beispiel 12, Beispiel 7: vollstes Zeichen = 4 Punkte nebeneinander . . . .
Punkte einiger Zeichen in den 3 Zwischenraumspalten,
insgesamt also 7 Punktspalten
Der waagrechte Abstand zwischen Nachbarpunkten der vollsten Zeichen beträgt genau wie
der senkrechte Zeichenabstand 1 Punktdurchmesser.
(Zumindest bei rechteckigen Punkten. Bei runden Punkten könnte er auch nur je 3/4 Punktdurchnesser
betragen, dann ist der Schwärzungsgrad etwa derselbe).
Mehrfachzeichen, Lesetechnik:
- Beispiel Silbenschrift: Jedes Zeichen existiert einfach und verdoppelt
(durch Vokal der Silbe unterschieden)
- Beispiel 12: Zeichen = Konsonant, Wiederholfaktor = Vokal
- Beispiel 7: Jedes Zeichen repräsentiert einen Vokal und einen Konsonant.
Die Zeichen eines Wortes werden abwechselnd als Vokal oder Konsonant gelesen
Bewertung
Die gezeigten Beispiele von Punkte-Lautbildschriften sind sicher nicht optimal, doch sie reichen aus,
dem Leser eine Vorstellung zu geben. Die Vor- und Nachteile von Punkteschriften sind:
Vorteile:
- Punkte-Zeichen ermöglichen eine flexiblere Darstellung (mit der Ausnahme, daß es eben keine Striche gibt).
Z.B. kann man Formen wie senkrechte Linie, Rechteck, Ellipse, auch Häuser, Bäume oder Menschen in der Höhe feiner abgestuft darstellen,
weil Punkte-Zeichen meist flacher sind als Strich-Zeichen (außer waagrechten Strichen):

Breite Formen kann man umrandet, halbvoll oder voll darstellen:

Auch eine Darstellung von Rechtecken oder Ellipsen mit gezacktem Rand ist mit einem größeren Zeichensatz möglich.
- Man benötigt weniger Zeichen im Alphabet, weil sich viele Formen aus Punktezeichen zusammensetzen lassen.
Z.B. läßt sich eine senkrechte Punktlinie aus mehreren Punkten zusammensetzen, parallele senkrechte Punktlinien aus
nebeneinanderliegenden Punkten. Auch Halbkreise, Viertelkreise, Winkel sind aus einfacheren Formen zusammensetzbar.
- Zum präzisen Schreiben reicht als Schablone eine Lochmaske mit z.B. 4 x 4 Löchern,
und 3 x 3 Löchern für die Punkte der Zwischenraumspalten.
- Auch die Darstellung auf dem Bildschirm (Punktraster) ist einfach, genauso die direkte Umsetzung in viele Nachrichtencodes
wie Lochstreifen, Blindenschrift oder antike Zinnencodes (Musterdarstellung durch Tafeln, nachts Fackeln, in den Zwischenräumen von Zinnen).
Auch das Signalisieren von Text per Hand (s. Finger-Buchstabiersystem)
läßt sich besonders schriftähnlich gestalten, indem man die Punkte der Schriftzeichen
durch Fingernägel oder Fingergelenke symbolisiert.
- Eine Punkteschrift läßt sich spielerisch von Hand legen durch Perlen oder Scheiben auf einem karierten Grundriß
(kariertes Blatt, Go-Spielbrett). Somit lassen sich Bild, Schrift, Notenschrift, mathematisch-geometrische Darstellungen
und Algorithmen (Figuren-Rechnen),
Satzstruktur und manche Brettspiele
(auch Spiel des Lebens, Computer-Ameise) mit demselben Mittel realisieren.
- Auch im philosophisch-naturwissenschaftlichen Sinne hat eine Punkteschrift Vorzüge:
Die Zusammensetzung der Bildworte aus Punkten erinnert an die Zusammensetzung der Dinge aus Elementarteilchen.
Die impressionistische, flirrende Darstellung erinnert an den den Schleier, als den z.B. Yogis die Welt sahen,
also daran, daß es letztendlich keine feste Materie gibt.
Die Tatsache, daß der Betrachter bei den meisten Dingen (außer z.B. Punkt, Regen) anhand von Einzelpunkten
gedanklich eine Gesamtkontur erstellen muß, erinnert an das Satzverstehen, wo der Betrachter / Hörer
aus einzelnen Begriffen einen Gesamtsinn konstruieren muß.
Nachteile:
- Bildworte von Punkteschriften bestehen meist aus mehr Zeichen als die anderer Lautbildschriften (außer Stabschriften)
- Deshalb ist das Lesen komplizierter als bei den meisten anderen Lautbildschriften.
Auch deshalb, weil es beim Lesen akustische Abkürzungsregeln gibt (Zusammenfassung mehrerer Zeichen),
damit die Worte akustisch nicht zu lang werden.
Diese erschweren besonders bei der Beispielschrift mit nur 7 Zeichen das Lesen (Wechsel Vokal-Konsonant),
bei der Beispielschrift mit 12 Zeichen ist die Zusammenfassungsregel praktikabel (Vokal = Zeichenhäufigkeit)
und nicht komplizierter als Füllkonsonant und Füllvokal bei Buchstaben-Lautbildschriften mit Strichzeichen.
- Die Zeichen können weniger verkleinert werden als aus Strichen bestehende Zeichen.
- Das Schreiben von Punkten ist umständlicher, zeit- und platzraubender als von Strichen.
Ausnahme: beim Schreiben mit den Fingern in den Sand (bei den antiken Griechen üblich)
kann man mehrere Punkte gleichzeitig schreiben, indem man
die gespreizten Fingerspitzen in den Sand drückt, was schon
die Azteken bei ihren Zahlzeichen für 1 - 4 (1 - 4 Punkte) so machten.
Man könnte versuchen, das mit einem Schreibgerät nachzuahmen:
Ein Griffel mit 2 Spitzen, von denen beide oder nur eine
(bei schräggehaltenem Gerät) einen Punkt schreiben.
Oder ein Griffel mit 3 Spitzen, die mittlere etwas länger:
1 Punkt wird mit der mittleren Spitze geschrieben, 2 Punkte
mit geneigtem Griffel (links oder rechts), 3 Punkte durch
Abrollen des Griffels von links nach rechts.
Auch der technische Aufwand pro Spitze ist größer:
mit einem Kuli läßt sich ein Punkt nicht schnell und deutlich
schreiben, da ist ein Filzstift oder Füller nötig.
- Auch das Lesen ist schwieriger, man muß genauer hingucken.
Denn die Bildworte und Bilder wirken impressionistischer,
was oft schöner ist, sind aber schwerer erkennbar und lesbar.
- Generell hat man nicht die Möglichkeit, bei der Darstellung eines Begriffs zwischen Punkten und Linien zu wählen.
Menschliche Gesichter z.B. wirken durch die gepunkteten Linien für Nase und Mund oft etwas merkwürdig,
das ist die entscheidende Schwäche aller Punkte-Lautbildschriften:

Fazit:
Insgesamt ist eine Punkte-Lautbildschrift als künstliche
Sprache und Schrift wohl weniger geeignet als z.B. eine
einfache Silben-Lautbildschrift, die hauptsächlich aus Strichen
besteht (aber auch Punkte und Kringel enthalten sollte).
Besonders geeignet wäre eine Punkte-Lautbildschrift für Wesen,
die die Welt anders sehen als Menschen, nämlich aus Punkten
oder Lichtflecken bestehend. Im letzteren Fall müßten die
Punkte der Schrift hell auf dunklem Grund sein.
Die Benutzung der hier beschriebenen Techniken ist frei Stand: 27. 3. 2008 Homepage